Bürgerinitiative Stahnsdorf Süd

....gegen raumbedeutsame Windräder auf den Rieselfeldern..

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Windräder bekommen Gegenwind

Windräder bekommen Gegenwind

[Quelle:Berliner Morgenpost 16.Dezember 2010- Katrin Starke]

Die Volksinitiative Windrad wehrt sich gegen die "Massenbebauung Brandenburgs mit Windkrafträdern". 

Unter dem Motto "Rettet die Uckermark" sieht die Kreistagsfraktion der Region dies genauso.

Und auch die Initiative "Gegenwind Nauener Platte" wehrt sich gegen die umstrittenen, Infraschall erzeugenden Windkraftanlagen.Die Mitglieder von "Pro Spree & Wald" wiederum fürchten um Baum und Borke am Rande des Spreewaldes.

 Die Stahnsdorfer sind also nicht allein mit ihrem Protest gegen den vor ihren Türen geplanten Windpark.Bis zu 29 Windräder, jedes Rad 150 Meter hoch, sollen auf den größtenteils stillgelegten Rieselfeldern zwischen den Stahnsdorfer Ortsteilen Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf, dem Teltower Stadtteil Ruhlsdorf, Neubeeren und der Siedlung Markgrafshof aus dem Boden wachsen. 

800 Meter sollen die Windräder von den Häusern der Siedlungen trennen. So plant es der Investor, die "Plan 8 GmbH" aus Eckernförde.Eine andere Variante der Schleswig-Holsteiner sieht nur bis zu 23 Windräder mit einem Abstand von 1.000 Metern vor. Etwa 380 Hektar brachliegende Rieselfeldfläche hat Plan-8-Geschäftsführer Dirk Jesaitis vom Eigentümer, der landeseigenen Berliner Stadtgüter GmbH, gepachtet. Bis zu 90 Millionen Euro will das Unternehmen investieren.

Schon Ende nächsten Jahres sollen die Windräder ans Netz gehen.Die Zeit ist knapp bemessen, räumt Jesaitis ein.

Er stößt mit seinem Vorhaben auf Widerstand.

Die 900 Anwohner seien gegen das Projekt, sagt Martin Lohrke von der Bürgerinitiative Stahnsdorf Süd. Schon jetzt von Lärm geplagt, wolle man sich nicht klaglos mit neuen Geräuschquellen abfinden.

Zahlreiche Baustellen und der Verkehr seien schon eine große Belastung, sagt Lohrke.Kämen dazu noch die Windräder, sei es mit dem idyllischen Leben kurz hinter der südlichen Berliner Stadtgrenze vorbei. Nicht vergessen dürfe man auch das grüne Erscheinungsbild der Gemeinde Stahnsdorf. Das werde durch Windräder stark beeinträchtigt, sagt Lohrke."Die gesamte Kulturlandschaft - mit natürlich Gewachsenem wie den Waldhainen - wird verunstaltet", sagt auch der Vorsitzende des Stahnsdorfer Heimatvereins, Jürgen Böhm. Das Windpark-Vorhaben empört Böhm. "Die Hauptstadt wächst, mehr und mehr Berliner weichen in den Speckgürtel aus. Stahnsdorf ist ein typisches Zuzugsgebiet. Doch dieses Potenzial wird hier verspielt."Er verweist auf Nauen, wo es schon einen Windpark gibt. "Das erschlägt einen. Das wollen wir hier nicht", sagt Böhm. 

 

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat mit einem Urteil jedoch den Weg für das Windpark-Projekt in Stahnsdorf frei gemacht.Das Gericht kippte endgültig den "Teilplan Wind" der regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming.In diesem Plan war der Bau von Windrädern auf den Stahnsdorfer Rieselfeldern ausgeschlossen worden.

Die Berliner Stadtgüter GmbH, der die Flächen gehören, klagte gegen diesen "Teilplan Wind" - und bekam Recht."Ökologisch wie wirtschaftlich ist es sinnvoll, die von Altlasten beeinträchtigten, von Stromleitungen und Wegen durchzogenen stillgelegten Rieselfelder für die Gewinnung von Windenergie zu nutzen", sagt Stadtgüter-Chef Peter Hecktor.Mit deren Windrädern soll Strom für etwa 38 000 Haushalte erzeugt werden."Wir haben die Energiestrategie 2020 des Landes Brandenburg umzusetzen. Aber das ist bei den Kommunen noch nicht angekommen", sagt Stadtgüter-Chef Hecktor.

Kritik auch am Land Berlin.

Bernd Albers, Bürgermeister von Stahnsdorf, sieht das ganz anders. "Das Vorgehen der Stadtgüter ist ein Frühstart. Der Respekt gegenüber der kommunalen Selbstverwaltung bleibt hier auf der Strecke", sagt er.Und: "Dass das Land Berlin seinen eigenen Bewohnern das gefragte Naherholungsgebiet vor den Toren der Stadt zunichte machen will, ist mir unverständlich." In einem neu aufzulegenden Flächennutzungsplan (FNP) sieht der Stahnsdorfer die einzige Möglichkeit, den Windpark zu verhindern. Dieser Weg sei allerdings zeitaufwendig und teuer. "Wir müssen klären, ob Stahnsdorf für Biomasse, Solarenergie und Windkraft steht - oder für Naherholung", sagt Albers.Viele Bürger unterstützen ihn.

"Wenn ich von der Arbeit komme, suche ich in der Natur Stahnsdorfs meine Ruhe. Ob das so bleibt", fragt sich Angelika Binding.Die Berlinerin reitet gerne und ist Mitglied im Pferdesportverein Stahnsdorf. Achim und Monika Tilger, die seit 2007 die Reitsportanlage Stahnsdorf betreiben, befürchten, dass sich die Reiter wegen der Windrad-Geräusche einen anderen Ort für ihren Sport suchen.Tilgers überlegen schon, ob sie die Anlage wieder verkaufen sollten. "Der Lärm aus der Luft und von der Straße macht uns zu schaffen. Die Windräder sind nur das i-Tüpfelchen."Turnierpferde, junge oder unsichere Pferde würden extrem schreckhaft auf das Geräusch der Windräder reagieren, sagt Monika Tilger.

 Martin Lohrke von der Bürgerinitiative Stahnsdorf Süd begründet seinen Widerstand ebenfalls mit den Tieren: "Etwa 2000 Graugänse sammeln sich im Herbst auf den Feldern. Sogar Rotmilan und Baumfalke, die zu den schützenswerten Tierarten zählen und auf der Roten Liste stehen, haben hier ihre Heimat."Auch Heidelerche, Kranich, Kiebitz, Sperber oder Weißstorch seien auf den Rieselfeldern gesichtet worden."Sie könnten durch den Windpark vertrieben, vielleicht getötet werden", befürchtet Lohrke.Argumente, die 8-Plan-Chef Jesaitis nicht teilt. Vom Unternehmen beauftragte externe Fachleute hätten bestätigt, dass die Vogelschar in Stahnsdorf nicht gefährdet sei.Nur auf die mögliche Existenz eines Milans müsse Rücksicht genommen werden.

Während Aktivist Lohrke nun eine Klage prüfen will, hofft Jesaitis noch auf Kompromisse: "Der Windpark könnte durch eine Photovoltaikanlage im Süden Schenkendorfs ergänzt werden. Wir würden die Zahl der Windräder noch einmal reduzieren, auch den Abstand zur Siedlung vergrößern." Den Antrag für die 29 Windräder aber hat er schon gestellt. Die Antwort steht noch aus.

[Quelle:Berliner Morgenpost 16.Dezember 2010- Katrin Starke]

 

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